Gig-Boot statt Bollerwagen – Eine etwas andere Himmelfahrtsmission auf der Weser

Während sich am Himmelfahrtswochenende andernorts Bollerwagen-Karawanen durch Wald und Flur schoben, entschied sich ein motiviertes Team des Rudervereins Linden für die sportlichere Variante: Weser statt Wegbier – von Hann. Münden bis Rinteln.

Mit dabei waren Josi, Hauke, Britta, Moritz, Merle, Roland, Malve, Shiela und David, verteilt auf zwei Vierer. Schnell zeigte sich: Neun sitzen im Boot – und alle neun haben eine Meinung.

Donnerstag – Anreise: Große Pläne und optimistisches Packen

Am Donnerstag stand die Anreise nach Hann. Münden an. Zwischen Fachwerk-Idylle und Weserstein wurden Boote eingeteilt, Taschen gestapelt und erste strategische Fragen geklärt:

  • Wer sitzt wo?
  • Wer steuert wann?
  • Und wie viel Gepäck passt wirklich in einen Vierer?

Die Antworten darauf sollten sich – wie so oft – erst auf dem Wasser zeigen.

Freitag – Durchwachsener Start Richtung Höxter

Am Freitagmorgen ging es endlich aufs Wasser – begleitet von Wetter, das sich nicht entscheiden konnte. Zwischen Nieselregen und kurzen Auflockerungen wurde klar: Das wird kein Schönwetterausflug.

Auf zwei Vierer verteilt ging es die Weser hinunter – mal synchron, mal mit kreativer Interpretation des Schlages. Natürlich entstand schnell ein inoffizieller Wettkampf zwischen den Booten.

Klassiker des Tages:

  • „War das gerade ein sauberer Schlag oder Zufall?“
  • „Die anderen sind doch nur beim Pause machen schneller!“
  • „Wer hat eigentlich gesagt, dass wir auf dieser Seite bleiben?“

Auch die Natur bot einiges: Unzählige Unzählige Graureiher säumten die Ufer, beobachteten das Treiben mit stoischer Ruhe und wirkten dabei deutlich souveräner als die meisten Steuerleute. Das Weserbergland zeigte sich mit sattem Frühlingsgrün, sanften Hügeln und Fachwerkorten von seiner schönsten Seite.

Unterwegs passierten die Crews zudem markante Zeitzeugen der Energiegeschichte wie die stillgelegten Atomkraftwerke Würgassen und Grohnde die heute etwas surreal und ruhig am Flussufer liegen und so gar nicht zum ansonsten entspannten Wanderfahrt-Gefühl passen wollten.

In Höxter angekommen, war die Stimmung bestens – auch weil alle gleichermaßen geschafft waren. Beim Abendessen wurden die eigenen Leistungen bereits leicht… aufgewertet. Übernachtet wurde stilecht und mit einem gewissen Abenteuerfaktor in einer überraschend kuschligen Damenumkleide, die sich als erstaunlich komfortabler Rückzugsort für müde Rudernde erwies.

Samstag – Muskelkater Richtung Bodenwerder

Der Samstag begann mit einer gemeinsamen Erkenntnis: Muskelkater ist real. Trotzdem ging es weiter Richtung Bodenwerder. Die Abläufe wurden etwas eingespielter, die Diskussionen etwas kürzer – nicht unbedingt aus Einsicht, sondern eher aus Energiemangel. Das Wetter blieb durchwachsen, doch die Landschaft machte vieles wett: Burgen, kleine Orte und immer wieder neue Perspektiven auf die Weser begleiteten die Fahrt.

In Bodenwerder, der Heimat Münchhausens, erreichten die abendlichen Erzählungen ein neues Niveau. Aus „solide gerudert“ wurde schnell: „Wir haben uns konstant gegen den Wind und die andere Crew durchgesetzt.“ Welche Version stimmt, bleibt – ganz im Sinne Münchhausens – Interpretationssache.

Sonntag – Sonne, Endspurt und Rinteln

Am Sonntag dann endlich die Belohnung: strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und plötzlich hochmotivierte Rudernde. Die Weser glitzerte, das Weserbergland zeigte sich noch einmal von seiner besten Seite und selbst die letzten Kilometer wurden fast schon genossen. Beide Vierer liefen deutlich runder – oder fühlten sich zumindest so an.

Selbst das Steuern funktionierte erstaunlich souverän, und die Diskussionen beschränkten sich auf das Nötigste. Mit jedem Kilometer wuchs die Mischung aus Erleichterung, Stolz und der leisen Erkenntnis: So eine Wanderfahrt ist anstrengend – aber ziemlich gut.

Fazit – Zwei Vierer, drei Etappen, viele Geschichten

Von Freitag bis Sonntag auf dem Wasser, mit Anreise am Donnerstag, bot die Tour alles, was eine gelungene Wanderfahrt ausmacht: wechselhaftes Wetter, beeindruckende Landschaft, kleine kulturelle Highlights am Ufer, sportliche Herausforderungen, zwei ambitionierte Crews und neun Persönlichkeiten, die das Ganze unvergesslich gemacht haben.

Und auch wenn die Frage, welcher Vierer nun wirklich schneller war, wohl nie abschließend geklärt wird, bleibt die wichtigste Erkenntnis: Muskelkater vergeht – aber die Geschichten von der Weser bleiben.