Mehr als eine Wanderfahrt

Ruderer aus drei Nationen tourten mit einer bunten Flotte die Westmasuren. Gestartet mit einer Kreuzfahrt auf „Königin“ Weichsel ging es über Seenplatten, verwunschener Kanäle, durch Hand betriebene Schleusen und über die berühmten Rollberge. Stets umkreist von gefiederten Wesen, eingebettet in kulturelles und historisches Rahmenprogramm und begleitet von tropischen Temperaturen.

 

Ruderkollege Lukasz Kaczmarek vom Ruderverein Tryton Poznan bietet seit Jahren mit persönlichem Einsatz und großer Professionalität perfekt organisierte Rudertouren durch seine Heimat Polen an. Sein Ziel ist es, nicht nur die Naturvielfalt- und Schönheit, sondern auch das reiche kulturelle Erbe seines Landes den Ruderkameraden näher zu bringen. Im Juni dieses Jahrs sind sieben Ruderer des RV Linden seinem „All- Inklusiv- Angebot“ gefolgt und durch Westmasuren gerudert.

Gestartet wurde in Grudziadz an der Weichsel. Am ersten Rudertag wurde die „Königin“, wie die Polen ihren Hauptstrom nennen, durch ständiges Kreuzen zu den Uferseiten stromab gerudert. Sandbänke versperren den direkten Ruderweg, bieten dafür Aussicht auf Seeadler, Kormorane, Möwen, Rohrdommeln und weitere gefiederte Wesen. Danach wurden die Flüsse (Nogat und Elblag Fluß) schmaler und die historischen Wasserwege kämpfen gegen Schilf und Seerosen und wir mittendrin. Gelegentlich schippert noch ein kleines Motorboot diese Wege entlang, größtenteils herrscht aber idyllische Ruhe. Weiter ging die Strecke über den Drausen See, dem sogenannten Grünen Teppich, ein Paradies für die Vogelwelt, wie für unzählige Schwäne, leider auch für stechende Kreaturen. Schwere Attacken von Bremsen und Mückenschwärmen blieben uns nicht erspart. Auf den heißesten Rudertag bei 35° Grad im Schatten- leider war das Schilf zu niedrig um diesen zu bieten- folgte der Temperatursturz um die Hälfte mit Regenschauern. Dies sollte aber dem Highlight der Tour, den berühmten Rollbergen, keinen Abbruch tun.  Präzise eingewiesen von Lukasz, ging es entlang des Oberländischen Kanals über die fünf Rollberge. Auf einer Strecke von 10 Kilometern überwinden seit über 150 Jahren die Boote mittels einer ausgeklügelten Technik einen Höhenunterschied von 100 Metern. Hier kommen nicht nur die Ruderer, sondern auch die Technikbegeisterten auf ihre Kosten. An den letzten zwei Rudertagen wechselten sich verwunschene Verbindungskanäle und die Westmasurischen Seenplatten ab. Die Bilder hätten nicht besser bestätigt werden können: Wolken, Wälder, Weiten, klare Seen mit wundervollen Badestellen, endlegende Plätze. Der letzte Rinnensee der Tour, Jeziorak See, hatte es dann aber in sich. Bewegtes Wasser mit stark befahrender Wasserrinne (betrieben mit Motor-, Wind-, Frauen- oder Manneskraft) verlangte erhöhte Achtsamkeit. In Ilawa wurde letztmalig angelegt und das Ziel der insgesamt 218 Kilometer langen Wandertour war erreicht.

Unsere bunte Flotte spiegelte sich in den Farben der Boote wie auch in der sich täglich wechselnden Mannschaftsbesetzung wider. Österreicher und Deutsche klärten zuerst die Ruderbefehle. Erfahrene Wanderruderer teamten mit aufgeschlossenen Neuwanderruderer, jeder half mit, jeder unterstützte jeden. Alle packten mit an, stets unter der professionellen Anleitung von Lukasz. Einmal musste unser Elan ausgebremst werden, aber auch hier zeigte sich seine Erfahrung und wir wurden mit witziger Wortwahl ermahnt, auch an heißen Tagen beim Baden nicht das „Würmchen“ zu zeigen. Und spätestens nach dem ersten kühlen Getränk des Tages waren manche Strapazen nach der insgesamt sechs Ruderetappen vergessen und in geselliger Runde werden die Bilder ausgetauscht.

Unterstützt wurde der junge Pole von seiner Lebensgefährtin Joanna, die uns an manchen Tagen begleitete und mit großer Würde den „heiligen Geist“ ersetzte oder anderseits stets mit wachem Auge für unser Wohl sorgte, wie auch sein Papa. Grzegorz kümmerte sich um die Logistik, fuhr das Gepäck von A nach B, versorgte uns mit Wasser, bereitete das Lunch auch an den entlegensten Stellen vor. Am finalen Ziel empfing er uns mit seinem selbstgemachten, sehr leckerem Zitronenwodka nach alter geheimer Rezeptur.

Unsere Rudertage rundete die kulinarische polnische Küche ab. Nach dem Abendessen vermittelte uns Lukasz interessante und wissenswerte Einblicke in die Geschichte des Landes.

Er brachte uns die politische sowie wirtschaftliche Situation und in den Alltag unseren polnischen Nachbarn näher. Während privater Führungen durch ehemalige Burgen der Ordensritter, wie z.B. der Marienburg oder eine Stadtführung durch Elblag erlebten wir hautnah und exemplarisch die wechselhafte Geschichte Polens.

Genächtigt wurde in privat geführten traditionsreichen Hotels und ehemaligen Gutshäusern.

Es ist sicherlich nicht die letzte Ruderwanderfahrt bei unserem Nachbarn gewesen!

Dziekuje bardzo!

Für das Team: Sibylla Eggers und Anke Dieckhoff

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