Presse: 100 Jahre Ruderverein Linden v. 1911 e. V.

RV Linden: Neubau zum Jubiläum

„Sport, Erholung und Ruhe finden – das gibt’s nur im RV Linden“ hört man die Mitglieder sagen. Der ehemalige Arbeiterruderverein feierte im März 2011 sein 100-jähriges Bestehen. Der neue, von den Mitgliedern selbst errichtete Anbau des Vereinsheims, soll dabei Ansporn für die nächsten 100 Jahre sein.

Angeregt durch die rege rudersportliche Betätigung der Arbeiter anderer Großstädte: 1911 auch in Hannover-Linden einige Gleichgesinnte zusammen, um der Arbeiterruderei die Wege zu ebnen – so steht es in einem vergilbten Dokument unermittelbarer Herkunft zu lesen. 100 Jahre später wurde die Gründung des Rudervereins Linden von 1911 gleich drei Mal gefeiert: Am ,,Geburtstag“, dem 27. Februar, bei einem Kommers mit befreundeten Vereinen sowie eine Woche später mit einem Festakt und einer Geburtstagsparty.

Per Inserat gefunden
Das größte Geschenk hatten sich die RVl-Mitglieder selber gemacht: rechtzeitig zum Jubiläum war der mit viel Eigenarbeit errichtete Anbau fertig geworden, in detn Urnkleide-, Dusch- und Sanitärräume sowie ein Fitnessraum untergebracht sind. „Der Neubau ist unsere Absichtserklärung für die nächsten 100 Jahre“, erklärte der RVL-Vorsitzende Volker Schober in seiner Rede beim Festakt. Zu diesem hatten sich rund 150 Mitglieder und Gäste im Bootshaus eingefunden, darunter auch prominente Gratulanten aus Sport und Politik. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, Spätankömmlinge mussten stehen.

Nach Schobers Ausblick auf die kommenden 100 Jahre ließ Wolfgang (,,Mücke“) Rohs die letzten 100 Jahre Revue passieren. So manches von dem, was er zur Geschichte und Entwicklung
des RVL erzählte, war in einer sehenswerten Ausstellung in den neuen Räumen außerdem durch Fotos und andere Zeugnisse und Objekte dokumentiert. Die sieben Gründungsmitglieder
hatten sich übrigens, wie Rohs verriet, auf ein Zeitungsinserat hin zusammengefunden. Da sie und weitere Ruderer als Arbeiter ihren Lebensunterhalt verdienten, durfte der neue Verein nicht an Regatten des Deutschen Ruderverbandes teilnehmen. Die Allgemeinen Wettkampfbestimmungen des DRV verlangten, dass ,,das Rudern aus reiner Liebhaberei mit eigenen  Mitteln betrieben“ werde. Um an Wettkämpfen teilnehmen zu können, schloss sich der RVL daher 1921 dem Internationalen Arbeiter- Turn- und Sport-Bund an. Der zweite Platz im Vierer mit Steuermann auf der Albeiter-Olyrnpiade 1925 in Frankfurt gilt immer noch als einer der größten sportlichen Erfolge der Vereinsgeschichte. An- und Abreise zu dieser Großveranstaltung der Arbeitersportbewegung bewältigte die Mannschaft übrigens mit dem Fahrrad.

Arbeiter sucht man in dem heute 130 Mitglieder zählenden Verein inzwischen vergebens, unter den Aktiven sind viele junge Akademiker. Seit den 1980er Jahren ist der RVL breitensportlich ausgerichtet, es bestehen Kooperationen mit mehreren Schulen. Für seine erfolgreiche Jugendarbeit wurde der Verein mehrfach ausgezeichnet. Seit 1981 sind auch  wieder Ruderinnen in den Reihen des RVL. Das war bereits in der Frühzeit so gewesen: Von 1920 bis 1927 war der Verein eng mit der Hannoverschen Waggonfabrik (Hawa) verbunden; zeitweilig trug er sogar den Namen ,,Ruderverein Hawa Linden von 1911″. Ein Großteil der Ruderer arbeitete in der Fabrik, das Unternehmen förderte den Betriebssport, den Verein und offenbar auch die Gleichberechtigung. Der Rückzug der Hawa bedeutete auch das Ende des Frauenruderns im RVL. In den folgenden Jahrzehnten sei, wie Rohs augenzwinkernd folmulierte „das Männerrudern vehement verteidigt“ worden.

Mit der Fähre zum Verein
Fast 90 Jahre lang residiert der RVL an der gleichen Stelle. Als 1923 das Grundstück erworben wurde, lag es allerdings auf einer Insel in der Leine, der ,,lnsel an der Schwanenburg“, und war nur mittels einer Fähre zu erreichen. Damals sei viel gefeiert worden, hatte Chronist Rohs in Erfahrung gebracht. Seit 1949 der vor den Hallentoren vorbeiführende kleine Leinearm zugeschüttet wurde, ist die Insel nur noch eine Halbinsel, aber – wie Rohs betonte, „nach Ansicht aller“ – immer noch „der schönste und idyllischste PlaIz im hannoverschen Land“. Geselligkeit hat im RVL immer noch hohen Stellenwert, ebenso wie die Bereitschaft zur Arbeit, gute Kameradschaft und die freundschaftliche Verbindung zu den anderen hannoverschen Rudervereinen. Um aufs Wasser zu gehen, müssen die Ruderer ihre Boote allerdings ums Clubhaus herum tragen, seit der Steg an den Hauptarm der Leine verlegt wurde.

Lindener Idealismus
Vom Bootshaus war Ende des 2. Weltkrieges nur das Fachwerk, vom Bootspark nur ein Achter und ein Vierer übrig geblieben. Sie trugen die bezeichnenden Namen „Treue“ und „Hoffnung“. Die Begriffe passen nicht nur zum Wiederaufbau, sondern auch zu dem von mehreren Rednern thematisierten „Schicksal“ des RVL, immer wieder erfolgreiche Nachwuchsruderer an den Deutschen Ruder-Club von 1884 (DRC) oder den Hannoverschen Ruder-Club (HRC) abgeben zu müssen. Für aufstrebende Jungsportler sei das eine gute Lösung, betonte Wolf Dietmar Kohlstedt, der Vizepräsident des Stadtsportbundes Hannover, sie erfordere aber seitens des abgebenden Vereins auch eine Menge Idealismus, „weil man die Erfolge nicht auf die eigenen Fahnen schreiben kann.“ Er lobte diesbezüglich die Selbstlosigkeit der Lindener und auch die Besinnung auf das „Kerngeschäft“ Jugend und Breitensport; sie sei „gut und richtig“. Für Sportausübung zählten nicht nur internationale Erfolge. Mit dem DRC-Vorsitzenden Uwe Maerz, der im Namen aller hannoverschen Rudervereine ein Grußwort überbrachte, sprach zugleich jemand, der das Rudern in Linden erlernt und es 1996 zum Weltmeister im Leichtgewichts- Achter gebracht hatte: „Ich danke Euch dafür, dass lhr mir den Weg geebnet habt“, schloss er seine Rede. Er sprach damit sicherlich auch für Frank Richter, der den gleichen Weg gegangen, in den 1990er Jahren dreifacher Weltmeister im schweren Achter und zweifacher Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen geworden war und mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm die Reden vom Thekenraum aus verfolgte. „Der Gang zum DRC war notwendig, um besseres Material und auch bessere Trainingsbedingungen zv finden“, hatte ein ehemaliger Trainingsmann an Wolfgang Rohs gemailt. „Trotzdem – alles begann beim RVL von 1911!“

DRV-Flagge mit Goldrand gehisst
Bekanntheit weit über die Grenzen der Region Hannover hinaus erlangt hat der RV Linden mit der nur für Achter ausgeschriebenen Langstreckenregatta „Head of the River Leine“. Seit 1996 findet sie stets am dritten Sonntag im September statt. 2010 waren 45 Achter am Start. Wie viele es am 18. September 2011 werden, steht noch in den Sternen. Sicher ist nur, dass dann die DRV-Flagge mit Goldrand gehisst werden wird, die der stellvertretende DRV-Vorsitzende Torsten Gorski Volker Schober beim Festakt überreicht hatte. Gold gab es zum Abschluss des Festakts noch einmal in Form einer Ehrennadel. Die heftete Hans-Georg Mahlmann, der Ehrenvorsitzende des RVL, Armin Richter ans Revers. Üblich bei Jubiläen sei ja eine Bootstaufe, so Mahlmann, beim RVL sei es die Einweihung des Neubaus. Ohne den Architekten Richter hätte es weder mit der Genehmigung noch mit der rechtzeitigen Ausführung des Baus geklappt. Der RVL habe ihm aber auch darüber hinaus unendlich viel zu verdanken: „Armin Richter ist eine Säule im Verein, nicht nur wegen seiner Körperlänge.“ Richters Bruder Hansi, der etwa 500 (!) Arbeitsstunden in den Rohbau investiert hatte, obgleich er dem Verein gar nicht angehört, war bereits beim Kommers zum RVL-Mitglied ernannt worden. Per Scherenschnitt machten Bezirksbürgermeisterin Barbara Knoke und Sponsor Edgar „Ecke“ Heidorn den Zugang zum Neubau – und mittelbar auch zum Buffet – frei.

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